1.2.1 Grundlagen der hierarchischen Klassifikation

In hierarchischen Klassifikationssystemen kann eine Klasse (Kategorie, Gruppe) beliebig viele Unterklassen besitzen, allerdings nur eine Oberklasse (Baumstruktur). Eine Instanz, die in Klasse X eingeteilt wurde, gehört implizit auch zur Oberklasse von X, zu deren Oberklasse etc. Ein solcher Ansatz bietet sich besonders an, wenn es ähnliche Dinge gibt, die gemeinsam gefunden werden sollen. Die geeigneten Kriterien für Ähnlichkeit sind im Einzelfall festzulegen. Die Vorteile dieses Ansatzes sind:

  • Bessere Ordnung durch Zusammenfassung ähnlicher Dinge (Instanzen, Objekte, Entitäten)
  • Bessere Abgrenzung unterschiedlicher Dinge voneinander
  • Einheitliches Vokabular durch Klassennamen
  • Leichtere Auffindbarkeit durch klare Strukturen

Hierarchische Klassifikationssysteme sind oft über einen längeren Zeitraum relativ stabil, müssen aber gelegentlich an neue Entwicklungen/Erkenntnisse angepasst werden (siehe z. B. Kategorieänderungen bei ebay.de), sei es zur

  • Einbindung neuer Klassen, um neue Dinge adäquat einordnen zu können,
  • Entfernung obsoleter Klassen oder
  • Verschiebung von Instanzen.

Werden Dinge hingegen mangels Alternative in eigentlich unpassende Klassen gezwängt, gehen die o. a. Vorteile der Klassifikation schnell verloren. Gleiches gilt, wenn viele Dinge notgedrungen in eine Residualkategorie "Sonstiges" geschoben werden.

Die folgende Abbildung veranschaulicht den Aufbau eines hierarchischen Klassifikationssystems am Beispiel der Global Product Classification (GPC), die in der produzierenden Industrie und im Handel Anwendung findet.

Aufbau der gpc hierarchie des gra de.png

Neben solchen (mono-)hierarchischen Systemen gibt es sog. polyhierarchische Klassifikationssysteme, bei denen eine Klasse auch mehrere Oberklassen haben kann. Beispielsweise könnte die Klasse "Dreirad" sowohl "Kinderspielzeug" als auch "Fahrzeug" als Oberklasse haben, die Klasse "Mountainbike" sowohl "Fahrzeug" als auch "Sportgerät", siehe auch nachstehende Abbildung.

Mono vs polyhierarchie.png

Das Konzept der Polyhierarchie entspricht der Mehrfachvererbung in der Objektorientierten Programmierung, z. B. in C++. Polyhierarchische Systeme haben keine Baumstruktur, sondern sind gerichtete azyklische Graphen.

Bitte beachten Sie den konzeptionellen Unterschied des polyhierarchischen Ansatzes zu der Variante, eine Instanz (z. B. Mountainbike X) gleichzeitig in unterschiedliche Kategorien ("Fahrzeuge->Mountainbikes" und "Sportgeräte->Mountainbikes") eines monohierarchischen Klassifikationssystems einzuordnen. In einer Polyhierarchie hat eine Klasse mehrere Oberklassen, in der Monohierarchie gehört eine Instanz zu mehreren Klassen. Das CMS WordPress unterstützt - wie viele andere auch - nur Monohierarchien. Da die Mehrfacheinordnung von Instanzen aber nicht über (ungewollte) Redundanz erkauft wird, sondern über Referenzen erfolgen kann, besteht darin kein praktischer Nachteil.