1.3.1 Grundlagen der Facettenklassifikation

Während hierarchische Klassifikationssysteme in klassischen Disziplinen wie Biologie und Bibliothekswesen etabliert sind, werden in Disziplinen, die noch ständiger Weiterentwicklung unterworfen sind, zunehmend Facettenklassifikationen verwendet, so auch auf etlichen Websites.

Die theoretischen Grundlagen der Facettenklassifikation wurden bereits 1937 durch den indischen Mathematiker und Bibliothekar S. R. Ranganathan gelegt, allerdings bietet erst das heutige Web mit seinen flexiblen Darstellungs- und Interaktionsmöglichkeiten die Basis für die praktische Anwendung seiner Konzepte.

Bei der Facettenklassifikation definiert man eine Menge von Eigenschaften (Facetten), anhand derer Dinge unterschieden werden sollen, bei Küchengeräten z. B. Hersteller, Einsatzbereich, Betriebsart (Kabel, Batterie), Preisgruppe etc.

Facetten sind voneinander unabhängig, können aber in sich hierarchisch strukturiert sein (vgl. Colon Classification, siehe unten). Indem man die Facette eines Objekts auf einen bestimmten Wert (Ausprägung, Fokus) setzt, klassifiziert man das Objekt hinsichtlich dieser Facette, im obigen Beispiel:

  • Hersteller="AEG"
  • Einsatzbereich="Zerkleinern"
  • Betriebsart="Batterie"
  • Preisgruppe="50-100 €"

Dass eine Klassifizierung nach Facetten nicht ganz trivial ist, zeigt uns zunächst Ernie:

Vorteile der Facettenklassifikation

Facettenklassifikationen lassen sich wesentlich leichter dynamisch anpassen und erweitern als Hierarchien, indem man je nach Bedarf zusätzliche Facetten definiert, existierende in mehrere Subfacetten aufspaltet etc. Die Klassifikationsstruktur wird also nicht vorab festgeschrieben, sondern ergibt sich erst "zur Laufzeit" aus den kombinierten Eigenschaften der zu klassifizierenden Objekte. Die Schwierigkeit, alle Klassen von vornherein auflisten zu müssen, entfällt. Damit entfällt auch das Risiko, Klassen zu vergessen und veraltete Klassen im System zu haben.

Jede Facette stellt einen potenziellen Einstiegspunkt für die NutzerIn dar. Im Gegensatz zu einer hierarchischen Klassifikation kann sie also flexibler browsen und so oft schneller fündig werden.

Grenzen der Facettenklassifikation

Facetten sind nur dann praktikabel, wenn die zu beschreibenden Inhalte relativ homogen sind. Geht es z. B. ausschließlich um Musiktitel und -alben, so lassen sich leicht Facetten finden (KünstlerIn, Genre, Jahr der Veröffentlichung, …). Erweitert man jedoch das Spektrum auf Musik im Allgemeinen, schließt also Musikinstrumente, Musikmöbel (CD-Racks, Klavierstühle), Musikgeschichte usw. mit ein, so macht eine gemeinsame Facettierung keinen Sinn mehr, da die Facetten sich – je nach Bereich – sehr unterscheiden.

Beispiele von Facettenklassifikationen

Nachstehend sind ausgewählte Facettenklassifikationen gelistet. Wenn Sie mit diesen ein bisschen experimentieren, indem Sie Facetten beliebig einschränken und kombinieren, sollten Grundprinzip und Nutzen der Facettenklassifikation schnell deutlich werden.


Medimops facetten 700.png


Welche Möglichkeiten facettierte Ansätze bei der Organisation von und der Suche nach Informationen bieten, zeigt das folgende Video recht eindrucksvoll.