1.2.3 Erstellung von hierarchischen Klassifikationssystemen - Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Card Sorting zur Entwicklung einer Sitemap

In folgendem (englischsprachigen) Video wird die Praxis des Card Sorting anschaulich dargestellt. Das Video zeigt, dass die zu klassifizierenden Instanzen durchaus abstrakt sein können. In diesem Fall sind es Themenbereiche einer Website. Ergebnis des Card Sorting ist also eine Sitemap bzw. ein Navigationskonzept.

 

Fallbeispiel 2: Card Sorting für einen Poster-Webshop

Nun wollen wir selbst ein Card Sorting durchführen. Hierfür benötigen wir ein Beispielszenario. Wir nehmen daher an, einen Webshop für Poster konzipieren zu wollen. Ziel ist es also, für die in dem Webshop angebotenen Bilder ein möglichst geeignetes Klassifikationssystem zu entwerfen, die es der Zielgruppe ermöglicht, nahezu intuitiv darin zu browsen und gesuchte Instanzen (Bilder) effizient zu finden. Eine eigentlich an dieser Stelle durchzuführende Zielgruppenanalyse sparen wir uns.

Vorbereitung und Durchführung

Nehmen wir an, wir haben einen Bestand an verkleinerten Posterabzügen zur Verfügung, der das Spektrum, das wir später im Webshop anbieten möchten, einigermaßen repräsentativ abdeckt. Wir setzen Standard-Card-Sorting ein, um bottom-up zu einem Organisationsschema zu kommen. Hierzu bitten wir ausgewählte Familienmitglieder, FreundInnen oder KollegInnen unabhängig voneinander, die wahllos auf dem Fußboden verteilten Bilder zu gruppieren.

Hierbei komme folgendes Ergebnis heraus:

  • Person 1: Landschaft, Tiere, Portraits, Kinder, Technik, Architektur, Pflanzen, Phantasie, Weihnachten, Mittsommer, Essen und Trinken, Abstraktion, Kino, Jahreszeiten, Verkehr, Fußball, Wintersport
  • Person 2: Natur, Menschen, Klassiker, TV, Sport, Blumen, Jahreszeiten, Popkultur, Himmelblau, Herbst, Frühling, Menschen, Musik, Regionen, Glaube, Tanzen, Autos, Schiffe, Küche
  • Person 3: Sport, Kochen, Science Fiction, Länder, Gebäude, Blumen, Film/TV, Alte Meister, Feiertage, Architektur, Tiere und Pflanzen, Kulturen, Landschaften, Personen, Religion, Musik, Transport

Analyse und Aufbereitung

Wir erkennen, dass die ProbandInnen primär nach Themen (dominierendes Ordnungsschema) sortiert haben, im Einzelfall aber nach Stil, Farbe oder KünstlerIn. Um ein konsistentes System zu erreichen, verteilen wir die Bilder der Gruppen Popkultur (Ordnungsschema Stil), Himmelblau (Ordnungsschema Farbe) und Alte Meister (Ordnungsschema KünstlerIn) auf andere Gruppen, z. B. Landschaft, Menschen, Religion, je nach Eignung. Weiterhin stellen wir fest, dass der Detaillierungsgrad der Gruppen z. T. unterschiedlich ist. Zur Vereinheitlichung fassen wir z. B. Herbst und Frühling zu Jahreszeiten und Autos und Schiffe zu Verkehr zusammen. Schließlich bereinigen wir synonyme Benennungen wie Personen und Menschen sowie Transport und Verkehr, indem wir uns auf einen unmissverständlichen Kategorienamen festlegen.

Nach diesen Optimierungsschritten erhalten wir das folgende Klassifikationssystem:

Abstrakt, Architektur, Pflanzen, Fantasie, Feiertage, Jahreszeiten, Kulturen, Ernährung, Landschaft, Menschen, Musik, Regionen, Religion, Sport, Film/TV, Tiere, Verkehr

Beim Klassifizieren konkreter Bilder (Produkte des Webshops) falle jedoch auf, dass folgende Kategorien fehlen: Weltraum, Technik, Wetter, Wasser, Stillleben. Indem wir diese Kategorien ergänzen, erhalten wir das (vorerst) finale Klassifikationssystem. Spätere Anpassungen sind je nach Bedarf vorzunehmen.

Um dieses System hierarchisch zu verfeinern, könnten wir für jede einzelne Kategorie ein weiteres, "internes" Card Sorting durchführen und würden dann z. B. die Kategorie "Fantasie" in Unterkategorien Alptraum, Magie, Mythologie, Science Fiction, Traum einteilen. Setzt man diese Verfeinerung für alle Kategorien fort, die zu allgemein erscheinen, erhält man schließlich ein monohierarchisches Klassifikationssystem.

Wir treffen weiterhin die Entwurfsentscheidung, dass jedes Bild mehreren Kategorien zugeordnet sein kann. Auf diese Weise erhöhen wir die Auffindbarkeit unseres Contents. Das folgende Bild könnte dann sowohl über die Kategorie Tiere als auch über die Kategorie Verkehr gefunden werden.

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Implementierung

Im letzten Schritt könnten wir das entwickelte Klassifikationssystem in WordPress (konkret: im Plugin WP e-Commerce) implementieren und unseren Produktbildern jeweils die passende(n) Kategorie(n) zuweisen. Damit würden wir unseren NutzerInnen bereits eine Informationssuche per Navigation im Klassifikationssystem ermöglichen.

Wie man grundsätzlich in WordPress Kategorien anlegt und benutzt, zeigt das folgende Video:

 


Fallbeispiel 3: Analyse des hierarchischen Klassifikationssystems von rebuy.de

Der folgende Screencast analysiert das hierarchische Klassifikationssystem der Website rebuy.de.