1.3.2 Erstellung von Facettenklassifikationen

Facettenklassifikationen sind für NutzerInnen oft intuitiv bedienbar, ihre Erstellung ist für eine InformationsarchitektIn (wen sonst?) allerdings gerade deswegen nicht trivial. William Denton schlägt in [Denton2003] einen 7-schrittigen Prozess zur systematischen Erstellung einer Facettenklassifikation vor:

  1. Sammlung: Stellen Sie – analog zum Card Sorting – eine repräsentative Menge an Entitäten (Instanzen) zusammen.
  2. Entitätsauflistung: Erstellen Sie ein Verzeichnis der Entitäten, wobei Sie Eigenschaftsbeschreibungen in ihre einzelnen Begriffe aufbrechen.
  3. Facetten-Entwicklung: Ermitteln Sie Eigenschaften, die über alle Entitäten hinweg immer wieder auftauchen, und legen Sie diese als Facetten vorläufig fest.
  4. Facetten-Arrangement: Ordnen Sie die Begriffe der einzelnen Entitäten den ermittelten Eigenschaften zu. Bleiben Begriffe übrig? Lässt sich für diese eine zusätzliche Facette sinnvoll einrichten oder eine bestehende sinnvoll erweitern? Führen Sie eine Testklassifikation durch: Lässt sich jede Entität über eine Kombination von Facettenausprägungen finden? Falls nicht, nehmen Sie entsprechende Anpassungen (Umbenennung, Erweiterung, Zusammenfassung) der Facetten vor. Überlegen Sie sich darüber hinaus, wie die Ausprägungen jeder einzelnen Facette am besten angeordnet werden können, z. B. als Liste oder Hierarchie.
  5. Zitierreihenfolge: Legen Sie eine Reihenfolge fest, in der die Facetten den NutzerInnen präsentiert werden sollen. Auf einer Website wird diese Reihenfolge per Default angezeigt werden. Ggf. kann man NutzerInnen ermöglichen, diese Reihenfolge in ihrer personalisierten Ansicht nach ihren Wünschen zu verändern.
  6. Klassifizierung: Führen Sie die Klassifizierung aller vorliegenden Entitäten mit dem erstellten Klassifikationssystem durch. Wählen Sie dazu pro Entität die passenden Ausprägungen der jeweiligen Facette, um die Entität möglichst treffend zu beschreiben.
  7. Durchsicht, Prüfung und Wartung: Tritt bei der Durchführung von Schritt 6 ein Problem auf, gehen Sie im Prozess zurück zu dem Schritt, der das Problem zu lösen vermag. Ggf. haben sich Ausprägungen von Facetten als unpassend erwiesen oder es sind Ausprägungen übersehen worden (weiter mit Schritt 4), ggf. sind die Facetten selbst noch nicht zueinander stimmig (weiter mit Schritt 3). Auch nachdem Ihre Facettenklassifikation in Betrieb gegangen ist, ist die Arbeit nicht komplett getan: Analog zur hierarchischen Klassifikation muss auch die Facettenklassifikation an neue Entwicklungen angepasst werden, z. B. durch Hinzufügen neuer Facetten und Ausprägungen, um auch neue Entitäten adäquat klassifizieren und damit deren Auffindbarkeit sicherstellen zu können.

Das gesamte Vorgehen wird in [Denton2003] sehr detailliert und anhand eines Fallbeispiels anschaulich erklärt, so dass an dieser Stelle auf weitere Ausführungen verzichtet werden kann.




  • Denton2003 William Denton. Wie man eine Facettenklassifikation erstellt und diese ins Web bringt. Quelle, 2003.