1.1 Einführung in Klassifikationssysteme

Auch wenn chaotische Zeitgenossen das Gegenteil behaupten: Ohne eine gewisse Ordnung finden Sie nichts wieder – dies gilt nicht nur für Ihren Schreibtisch, Ihren Kleiderschrank, Ihre Küche, sondern insbesondere auch für die z. T. riesigen Datenmengen, die heutige Softwaresysteme verwalten.

Ordnung ist das halbe Leben

Wie Contents geordnet werden, hängt sehr stark von der Art des Content und den Erwartungen der NutzerInnen ab. Beispielsweise ist es üblich, News-Meldungen absteigend nach Zeit zu sortieren, Personalverzeichnisse hingegen aufsteigend nach Nachnamen. Informationen zu ordnen umfasst allerdings i. Allg. mehr, als sie nach einem bestimmten Kriterium zu sortieren – vor allem, wenn es um inhaltliche Kriterien geht, die sich nicht ohne weiteres sortieren lassen, z. B. das Motiv eines Bildes.

Wie Sie wissen, dient eine Informationsarchitektur insbesondere der effizienten Auffindbarkeit von Informationen. Wenn Sie bereits wissen, wonach Sie suchen, und das Gesuchte in Worte fassen können, wird Ihnen - bei guter IA - die Suchmaschine der Website weiterhelfen können.

Was machen Sie jedoch, wenn Sie gar nicht so genau wissen, wonach Sie eigentlich suchen? Für diesen Fall ist es hilfreich, wenn die Content-Objekte auf der Website in bestimmte Kategorien eingeteilt sind (z. B. "Damen", "Herren" und "Kinder" bei einem Web-Shop für Bekleidung, jeweils mit Unterkategorien "Jacken", "Hosen" etc.). Somit können Sie durch die Kategorien navigieren ("browsen", "stöbern"), bis Sie schließlich den Content finden (oder auch nicht), den Sie gesucht haben.

Ordnet man Dinge bzw. Sachverhalte (allgemein: Instanzen) systematisch zuvor festgelegten Kategorien zu, bezeichnet man diesen Vorgang als Klassifizierung, das Ergebnis als Klassifikation (siehe auch hier) bzw. als Klassifikationssystem. Die Zuordnung erfolgt dabei anhand von Merkmalen: Eine Instanz wird genau derjenigen Klasse zugeordnet, in die sie aufgrund ihrer Merkmale "am besten passt".

Definition

Klassifizieren bedeutet, ähnliche Dinge (Instanzen) in Gruppen zusammenzufassen. Alle Mitglieder einer durch Klassifizieren entstandenen Gruppe - oder Klasse - haben mindestens ein gemeinsames Merkmal, das die Mitglieder anderer Klassen nicht besitzen. (Brian Buchanan, [Buchanan1989])

Standard-Klassifikationssysteme und ihre Codes

Viele standardisierte Klassifikationssysteme bedienen sich bestimmter Notationen (Codes). Dabei handelt es sich um Zeichenfolgen, die angeben, an welcher Stelle des Klassifikationssystems eine gegebene Instanz eingeordnet wurde. Prominente Beispiele hierfür sind:

Websites verzichten gemeinhin auf derartige Notationen, da sie sich der spontanen BesucherIn nur schwer erschließen würden und ihr Mehrwert begrenzt wäre. Während in (nicht-digitalen) Bibliotheken ein Klassifikationscode genutzt werden kann, um dasjenige Regal zu finden, in dem das gesuchte Buch steht, navigieren Web-User direkt über die mit Hyperlinks versehenen Klassennamen zum gewünschten Content-Bereich.

"Alltagsklassifikationen"

Des weiteren sind im Web viele "Alltagsklassifikationen" zu finden, die keiner formalen Standardisierung unterliegen. Neben unzähligen Produkthierarchien von eCommerce-Plattformen und Web-Verzeichnissen (siehe z. B. die Abbildung unten oder diese Genrehierarchie) sei beispielhaft das Open Directory Project genannt, ein umfassender, von der Community frei erstellter Web-Katalog mit inzwischen über 1 Mio. Kategorien.

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Gute Klassifikationssysteme - das A und O jeder Informationsarchitektur

Je nachdem, wie gut ein Klassifikationssystem die Zusammenhänge und Unterschiede der Content-Elemente widerspiegelt, werden Sie sehr schnell zum gewünschten Ergebnis gelangen – oder sich im System verlieren und frustriert aufgeben. Im Folgenden lernen wir, wie man systematisch ein gutes Klassifikationssystem entwickelt. Hierbei unterscheiden wir zwischen der hierarchischen Klassifikation und der Facettenklassifikation.



  • Buchanan1989 Brian Buchanan. Bibliothekarische Klassifikationstheorie. Saur, 1989.